Bezahlbares Wohnen in Nordwestmecklenburg I: Frage an Birgit Hesse zur Ortsentwicklung
Thema 7 · Wohnen und Heimat
Bezahlbares Wohnen und lebendige Orte: Wie schaffen wir Lebensqualität für alle Generationen?
Wohnraum entscheidet darüber, ob junge Menschen bleiben, Familien zuziehen können und ältere Menschen möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben.
Wohnen ist längst kein reines Großstadtthema mehr
Bezahlbarer Wohnraum wird häufig mit Metropolen verbunden. Doch auch in touristisch attraktiven oder wirtschaftlich wachsenden ländlichen Regionen kann der Wohnungsmarkt angespannt sein. Junge Erwachsene suchen kleinere Wohnungen. Familien benötigen größere Wohnungen oder Grundstücke. Beschäftigte möchten in der Nähe ihres Arbeitsplatzes leben. Ältere Menschen brauchen zunehmend barrierearme Angebote.
Im Wahlkreis Nordwestmecklenburg I treffen diese unterschiedlichen Bedürfnisse aufeinander. Die Küstenregion besitzt andere Marktbedingungen als kleinere Orte im Binnenland. Grevesmühlen wiederum entwickelt sich als regionales Zentrum und Wirtschaftsstandort.
Wohnungsbau muss zur Entwicklung der Region passen
Neue Wohnungen allein lösen nicht alle Probleme. Ein Wohngebiet ist besonders attraktiv, wenn Schulen, Kitas, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und öffentlicher Verkehr erreichbar sind. Deshalb sollten Wohnungsbau und Infrastruktur gemeinsam geplant werden.
Gleichzeitig sollte Ortsentwicklung möglichst flächenschonend erfolgen. Nachverdichtung, die Nutzung vorhandener Gebäude und die Revitalisierung bestehender Flächen können je nach Standort Alternativen zu immer neuen Baugebieten auf der grünen Wiese sein.
Grevesmühlen plant langfristig zusätzliche Wohnflächen
Das integrierte Stadtentwicklungskonzept Grevesmühlens nennt mehrere Wohnbauprojekte und sieht unter anderem den Bereich Börzower Weg als Entwicklungsfläche. Der städtische Jahresbericht verweist darauf, dass durch Bauleit- und Erschließungsplanung weitere Bauflächen vorbereitet werden.
Solche Projekte zeigen, dass Wohnungsbau einen langen Vorlauf hat. Bebauungsplanung, Erschließung, Finanzierung und schließlich die eigentliche Bebauung benötigen Zeit. Wer künftigen Wohnraumbedarf decken möchte, muss deshalb frühzeitig planen.
Rehna: altersgerechtes Wohnen als aktuelles Thema
Auch in Rehna zeigt sich, dass unterschiedliche Wohnformen benötigt werden. Auf der Tagesordnung der Stadtvertretung stand Ende 2025 unter anderem die Zustimmung zu einem Vorhaben für den Neubau altersgerechten Wohnens an der Bülower Straße.
Das Beispiel verdeutlicht eine Entwicklung, die für viele Gemeinden relevant ist. Ältere Menschen möchten häufig im vertrauten Ort bleiben, benötigen aber irgendwann eine andere Wohnform. Barrierearme Wohnungen in zentraler Lage können dabei helfen, Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.
Wenn ältere Menschen umziehen können, werden Familienwohnungen frei
Altersgerechtes Wohnen kann zugleich positive Effekte für den gesamten Wohnungsmarkt haben. Manche ältere Menschen leben allein in Häusern, die ursprünglich für eine Familie gebaut wurden. Ein freiwilliger Umzug kommt aber nur infrage, wenn attraktive und bezahlbare Alternativen vorhanden sind.
Entstehen solche Angebote im selben Ort, können größere Wohnungen oder Häuser für Familien frei werden. Eine vielfältige Wohnungsstruktur hilft deshalb mehreren Generationen gleichzeitig.
Tourismus und Wohnen miteinander vereinbaren
In Boltenhagen und anderen touristischen Lagen entsteht eine besondere Herausforderung. Ferienwohnungen und touristische Nachfrage bringen wirtschaftliche Vorteile, zugleich benötigen Einwohner und Beschäftigte normalen Dauerwohnraum.
Eine nachhaltige Tourismusregion sollte deshalb darauf achten, dass Menschen, die dort arbeiten, auch eine realistische Chance haben, in erreichbarer Entfernung zu wohnen. Wohnen, Tourismus und Mobilität müssen stärker zusammengedacht werden.
Wohnraum für Fachkräfte
Auch die wirtschaftliche Entwicklung rund um Grevesmühlen und Upahl macht Wohnungsbau relevant. Neue Unternehmen benötigen Mitarbeiter. Wenn Fachkräfte aus anderen Regionen gewonnen werden sollen, gehört verfügbarer Wohnraum zu den wichtigsten Standortfaktoren.
Das gilt für Industrie und Handwerk ebenso wie für Pflege, Bildung oder Tourismus. Arbeitgeber können gute Arbeitsbedingungen bieten – wenn vor Ort keine bezahlbaren Wohnungen verfügbar sind, wird Personalgewinnung dennoch schwieriger.
Lebendige Ortskerne erhalten
Ortsentwicklung darf nicht nur aus Neubaugebieten bestehen. Historische Zentren, kleine Geschäfte, Gastronomie, Kultur und öffentliche Plätze prägen die Identität einer Gemeinde. Leerstand und sanierungsbedürftige Gebäude können dagegen langfristig die Attraktivität schwächen.
Förderprogramme für Stadt- und Dorferneuerung, Sanierung und Barrierefreiheit können deshalb wichtige Instrumente sein. Kommunen benötigen dabei Planungssicherheit und möglichst einfache Förderverfahren.
Landespolitik und kommunale Planung greifen ineinander
Die konkrete Bauleitplanung liegt bei den Städten und Gemeinden. Das Land beeinflusst jedoch viele Rahmenbedingungen – etwa über Wohnraumförderung, Städtebauförderung, Infrastrukturprogramme oder gesetzliche Vorgaben.
Für eine Landtagsabgeordnete besteht deshalb eine mögliche Aufgabe darin, kommunale Erfahrungen nach Schwerin zu tragen und umgekehrt dafür zu sorgen, dass Förderinstrumente in den Gemeinden tatsächlich nutzbar sind.
10 Themen – Frage 7 an Birgit Hesse
Wie wollen Sie das Land nutzen, um Kommunen im Wahlkreis beim Bau bezahlbarer und altersgerechter Wohnungen, bei der Entwicklung neuer Wohnquartiere sowie bei der Stärkung lebendiger Ortskerne zu unterstützen?
Wohnen entscheidet über Heimat
Wer eine passende Wohnung findet, kann in der Region bleiben. Wer im Alter eine barrierearme Alternative findet, muss sein soziales Umfeld nicht verlassen. Wer einen neuen Arbeitsplatz beginnt, kann sich dauerhaft ansiedeln. Deshalb ist Wohnen ein Querschnittsthema.
Nordwestmecklenburg hat gute Voraussetzungen: attraktive Orte, Ostseenähe, wirtschaftliche Entwicklung und vergleichsweise kurze Wege zu größeren Zentren. Die Aufgabe besteht darin, den Wohnungsbestand und neue Angebote so weiterzuentwickeln, dass diese Attraktivität für möglichst viele Menschen erhalten bleibt.
FAQ – Wohnen im Wahlkreis 27
Warum ist Wohnen ein Wahlkreisthema?
Weil Familien, Beschäftigte, junge Erwachsene und ältere Menschen unterschiedliche Wohnformen benötigen und Wohnraum unmittelbar mit Wirtschafts- und Ortsentwicklung verbunden ist.
Welche Rolle spielt Grevesmühlen?
Grevesmühlen bereitet im Rahmen seiner Stadtentwicklung zusätzliche Wohnbauflächen vor und verbindet diese Planungen mit weiteren Infrastrukturprojekten.
Warum wird Rehna genannt?
In Rehna wurde ein konkretes Vorhaben für altersgerechtes Wohnen Gegenstand der kommunalen Beratung. Es verdeutlicht den wachsenden Bedarf an geeigneten Wohnformen für ältere Menschen.
Kann der Landtag selbst Baugebiete ausweisen?
Nein. Bauleitplanung ist kommunale Aufgabe. Das Land setzt jedoch Rahmenbedingungen und kann über Förderprogramme und Gesetze die kommunale Wohnungs- und Stadtentwicklung unterstützen.

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