Wirtschaft und Arbeitsplätze in Grevesmühlen und Upahl: 10 Fragen an Birgit Hesse
Thema 4 · Zukunft des Wirtschaftsstandortes Nordwestmecklenburg I
Wirtschaft, Handwerk und gute Arbeitsplätze: Welche Chancen bieten Grevesmühlen und Upahl?
Eine starke regionale Wirtschaft schafft Einkommen, Ausbildungsplätze, kommunale Einnahmen und Perspektiven für junge Menschen. Rund um Grevesmühlen und Upahl entsteht derzeit ein besonders wichtiges Entwicklungsprojekt.
Eine Region braucht attraktive Arbeitsplätze in erreichbarer Nähe
Viele Menschen wünschen sich einen Arbeitsplatz, der zu ihrer Qualifikation passt und gleichzeitig ein Leben in der Heimatregion ermöglicht. Für Nordwestmecklenburg bedeutet das: Wirtschaftspolitik entscheidet mit darüber, ob junge Menschen nach ihrer Ausbildung bleiben oder später zurückkehren, ob Familien sich dauerhaft ansiedeln und ob Gemeinden ihre Infrastruktur finanzieren können.
Der Wahlkreis verbindet unterschiedliche Wirtschaftsstrukturen. Tourismus ist an der Küste wichtig. Im Binnenland spielen Handwerk, Dienstleistungen, Landwirtschaft und Gewerbe eine große Rolle. Grevesmühlen besitzt als regionales Zentrum zusätzlich gute Voraussetzungen für größere Ansiedlungen.
Großgewerbestandort Upahl/Grevesmühlen als konkretes Zukunftsprojekt
Der interkommunale Großgewerbestandort Upahl/Grevesmühlen gehört zu den bedeutenden aktuellen Entwicklungsprojekten des Wahlkreises. Landkreis, Stadt Grevesmühlen, Gemeinde Upahl und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordwestmecklenburg haben 2025 eine gemeinsame Vermarktungsvereinbarung geschlossen.
Nach Angaben des Landkreises umfasst der Standort insgesamt rund 45 Hektar. Etwa 28 Hektar liegen auf der Grevesmühlener Seite, rund 17 Hektar auf der Upahler Seite. Der Standort liegt unmittelbar an der A20 und zugleich in vergleichsweise kurzer Entfernung zu Lübeck und zum Seehafen Wismar.
Das schafft interessante Bedingungen für produzierendes Gewerbe, Logistik und weitere Branchen. Der Standort soll ausdrücklich als „Grünes Gewerbegebiet“ entwickelt werden. Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und erneuerbare Energien sollen deshalb bereits in der Standortentwicklung berücksichtigt werden.
Bestehende wirtschaftliche Stärke in Upahl
Die wirtschaftliche Entwicklung beginnt nicht bei null. Das bereits bestehende Industrie- und Gewerbegebiet „An der Silberkuhle“ in Upahl umfasst rund 60 Hektar. Nach Angaben des Landkreises sind dort mehr als 20 Betriebe mit insgesamt rund 1.000 Arbeitsplätzen ansässig.
Diese Erfahrung zeigt, welche Bedeutung ein gut entwickelter Gewerbestandort für eine ländliche Region haben kann. Gleichzeitig wird deutlich, dass Ansiedlungspolitik langfristig gedacht werden muss. Unternehmen benötigen Straßen, Energie, Glasfaser, ausreichend Fachkräfte und schnelle Verwaltungsverfahren. Beschäftigte wiederum brauchen Wohnraum, Schulen, Kitas und gute Verkehrsanbindungen.
Wirtschaftspolitik ist deshalb mehr als Gewerbeflächenpolitik
Die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes entsteht aus vielen Faktoren. Eine neue Gewerbefläche kann eine Voraussetzung für Investitionen sein, doch erst das Umfeld entscheidet darüber, ob Betriebe langfristig erfolgreich arbeiten können.
Dazu gehören leistungsfähige Netze, verlässliche Energieversorgung, berufliche Bildung, ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr und bezahlbarer Wohnraum. Gerade kleinere und mittlere Betriebe brauchen außerdem eine Verwaltung, die Genehmigungsprozesse verständlich organisiert und bei Investitionen beratend unterstützt.
Handwerk und Mittelstand in allen Teilen des Wahlkreises stärken
Große Ansiedlungen erhalten oft besondere öffentliche Aufmerksamkeit. Der wirtschaftliche Alltag vieler Gemeinden wird jedoch von kleineren Unternehmen geprägt. Handwerksbetriebe, Einzelhandel, Dienstleister, Gastronomie und landwirtschaftliche Betriebe sichern Arbeitsplätze und Ausbildungsstellen in der Fläche.
Für sie sind andere Fragen wichtig als für einen internationalen Großbetrieb: Gibt es genügend Auszubildende? Können Nachfolgeregelungen für ältere Betriebsinhaber gefunden werden? Sind Auftrags- und Genehmigungsverfahren überschaubar? Sind Mitarbeiterwohnungen vorhanden? Funktionieren Internet und Mobilfunk zuverlässig?
Eine regionale Wirtschaftspolitik sollte deshalb neue Ansiedlungen und bestehende Unternehmen nicht gegeneinander ausspielen. Erfolgreich wäre eine Entwicklung, bei der größere Investitionen zusätzliche Aufträge und Chancen für regionale Betriebe schaffen.
Ausbildung und Fachkräfte entscheiden über den Erfolg
Der Fachkräftemangel ist für viele Branchen längst eine zentrale Herausforderung. Deshalb muss Wirtschaftspolitik früh beginnen. Schulen, Berufsorientierung, Ausbildungsbetriebe und regionale Unternehmen sollten möglichst eng zusammenarbeiten. Jugendliche müssen wissen, welche Berufe und Karrierewege in ihrer eigenen Region vorhanden sind.
Wer eine gute Ausbildung in Nordwestmecklenburg findet und anschließend eine berufliche Perspektive erhält, hat einen wichtigen Grund zu bleiben. Gleichzeitig können attraktive Unternehmen Menschen ansprechen, die nach Studium oder Berufserfahrung in ihre Heimat zurückkehren möchten.
Birgit Hesses kommunale Erfahrung als möglicher Vorteil
Birgit Hesse war von 2008 bis 2014 Landrätin von Nordwestmecklenburg. Sie kennt deshalb die wirtschaftspolitische Rolle eines Landkreises und die Zusammenarbeit mit Gemeinden aus eigener Verwaltungserfahrung. Heute arbeitet sie auf Landesebene.
Gerade beim Großgewerbestandort Upahl/Grevesmühlen greifen diese Ebenen ineinander. Planung und Erschließung finden kommunal beziehungsweise interkommunal statt. Wirtschaftsförderung, Fördermittel und übergeordnete Infrastruktur betreffen gleichzeitig Landkreis und Land.
Gute Arbeit und regionale Wertschöpfung
Die Zahl neuer Arbeitsplätze allein sagt noch nicht alles über den Erfolg einer Ansiedlung. Entscheidend sind auch Qualität, Bezahlung, Ausbildungsmöglichkeiten und langfristige Perspektiven. Tarifbindung und gute Arbeitsbedingungen können helfen, Fachkräfte zu gewinnen und dauerhaft zu halten.
Gleichzeitig sollten kommunale Einnahmen und regionale Aufträge möglichst positive Wirkungen für das Umfeld entfalten. Wenn Wachstum Schulen, Straßen, soziale Infrastruktur und Vereine stärkt, wird wirtschaftliche Entwicklung für die Menschen unmittelbar sichtbar.
10 Themen – Frage 4 an Birgit Hesse
Wie wollen Sie dazu beitragen, dass aus den wirtschaftlichen Chancen rund um Grevesmühlen und Upahl dauerhaft gute und möglichst tarifgebundene Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen und gleichzeitig Handwerk, Mittelstand und bestehende Unternehmen im gesamten Wahlkreis gestärkt werden?
Eine strategische Chance für Nordwestmecklenburg
Die Lage zwischen Lübeck, Wismar und der Metropolregion Hamburg sowie die direkte Anbindung an die A20 eröffnen dem westlichen Nordwestmecklenburg besondere Chancen. Entscheidend wird sein, neue Investitionen so zu steuern, dass sie mit den Entwicklungszielen der Region zusammenpassen.
Ein grüner Gewerbestandort, starke heimische Unternehmen, gute Ausbildung und attraktive Lebensbedingungen können sich gegenseitig verstärken. Aus einem einzelnen Gewerbeprojekt kann so ein langfristiger Impuls für die gesamte Region werden.
FAQ – Wirtschaft im Wahlkreis 27
Wie groß ist der geplante Großgewerbestandort Upahl/Grevesmühlen?
Der Landkreis nennt eine Gesamtfläche von rund 45 Hektar, davon rund 28 Hektar auf Grevesmühlener und rund 17 Hektar auf Upahler Seite.
Was bedeutet „Grünes Gewerbegebiet“?
Der Standort soll mit einem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und erneuerbaren Energien entwickelt und vermarktet werden.
Gibt es in Upahl bereits viele Arbeitsplätze?
Ja. Im bestehenden Gewerbegebiet „An der Silberkuhle“ arbeiten nach Angaben des Landkreises rund 1.000 Menschen in mehr als 20 Unternehmen.
Warum sind Handwerk und Mittelstand Teil dieses Themas?
Weil viele Arbeits- und Ausbildungsplätze im Wahlkreis durch bestehende kleinere und mittlere Unternehmen getragen werden. Neue Ansiedlungen sollten dieses wirtschaftliche Fundament ergänzen und möglichst zusätzliche regionale Wertschöpfung erzeugen.
Quellen und weiterführende Informationen
Landkreis NWM – Großgewerbestandort Upahl/Grevesmühlen

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